Bordabend


Als Schiffsjunge auf der „Passat“

Als Schiffsjunge auf der „Passat“, so lautete der gut besuchte Dia-Vortrag von Henning Sehnert (OTL a D) im Rendsburger Schifffahrtsarchiv.

Er begann den Vortrag mit der Schilderung seiner abenteuerlichen Anheuerung als Schiffsjunge im Jahr 1956. Die 1. Reise führte nach Rio de Janeiro. Während der Überfahrt wurden die Schiffsjungen in Theorie und Praxis geschult.
Besondere Aufmerksamkeit war beim Klettern in den Wanten gefordert. Eine Absicherung – wie heute vorgeschrieben – gab es zu jener Zeit nicht oder nur bedingt. Aber, so Henning Sehnert: „Wir waren jung und konnten unsere Kräfte
sehr gut einschätzen. Unglücke mit Personenschäden gab es auf diesen beiden Reisen nicht.“ Die Schiffsjungen mussten in einem Gemeinschaftsraum in Hängematten schlafen. Die aus dichtem Segeltuch gefertigten Schlafmöbel hatten eine weitere Funktion: Eng und kunstgerecht gezurrt waren sie temporär
schwimmfähig und konnten so als Rettungsgerät eingesetzt werden.

Die 2. Reise führte am 14. Febr. 1957 von Hamburg nach Montevideo. Optische Geräte „Made in Germany“ waren zu jener Zeit in Uruguay heiß begehrt. Die Preise für gebrauchte Geräte lagen um das 3-fache höher als für Neugeräte in
Deutschland. Henning Sehnert konnte nicht widerstehen. Insofern konnten nach Montevideo keine weiteren Fotos erstellt werden. Die Ladung Kies wurde gelöscht, das Schiff in die nur wenige Seemeilen entfernte argentinische Stadt La Plata verlegt und mit Getreide (Gerste) „in bulk“ (loses Schüttgut) beladen.
Auf der Reise nach Hamburg geriet es südwestlich der Biscaya in einen Orkan. Die Ladung verrutschte und das Schiff musste mit starker Backbord-Schlagseite und unter Kentergefahr Lissabon als „Nothafen“ anlaufen. Dort wurde die Ladung gelöscht. Hamburg erreichte das Schiff aus eigener Kraft am 08. Dezember 1957. Es war die letzte Reise der „Passat“.

Vielen Dank Henning Sehnert für diesen überaus spannenden Vortrag. Nach den überwiegend positiven Erfahrungen auf der „Passat“ wechselte Henning Sehnert zur Luftwaffe und begann dort seine Karriere als Berufssoldat.